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Anreize für gute Lehre

Montag, 04.12.2017, #lehren

Welche Ziele verfolgen lokale, nationale und internationale Anerkennungsformate für qualitätsvolle Lehre?

Im November 2017 wurde an der Universität Graz bereits das achte Mal der Lehrpreis „Lehre: Ausgezeichnet!“ vergeben. 24 Lehrende bzw. Lehrendenteams sind in den vergangenen Jahren für ihre studierendenzentrierten und kompetenzerwerborientierten Lehrveranstaltungskonzepte retrospektiv mit dem Preis bedacht worden. Schon deutlich länger, seit 2005, zeichnet der E-Learning Champion (ELCH) auch prospektiv Vorzeigeprojekte im Bereich der Neuen Medien in der Lehre aus. Damit reiht sich die Uni Graz ein in eine lange Reihe an Institutionen im In- und Ausland. Einerseits sollen mit derartigen Anreizstrukturen gute Beispiele für gelungene Lehre anerkannt und ins Rampenlicht gerückt  werden (meist sogenannte Lehrpreise), andererseits sollen Lehrende dazu animiert werden, innovative Konzepte zu entwerfen, deren Umsetzung mit dem Preisgeld gefördert wird (meist sogenannte Innovationspreise).

Seit 2013 können Universitäten ihre Lehrenden in einen österreichweiten Wettbewerb um den Staatspreis Ars docendi schicken. Die Erweiterung des TeilnehmerInnenkreises auf Fachhochschulen und Privatuniversitäten 2015 vergrößerte die Zielgruppe um ein Vielfaches. Es stellt sich die Frage, wie gut LV-Konzepte von einer solchen Bandbreite an Einrichtungen miteinander vergleichbar sind und ob die Einführung von thematischen Kategorien (z. B. „forschungsbezogene Lehre“ oder „Internationalisierungskonzepte“) 2016 eine Reaktion des Bundesministeriums auf die Vergrößerung des BewerberInnen-Pools war.

Der Lehrpreis mit der härtesten Konkurrenz und gleichzeitig der einzige über Ländergrenzen hinaus sichtbare ist der European Award for Excellence in Teaching in the Social Sciences and Humanities, der seit 2011/12 jährlich von der Central European University in Budapest vergeben wird. Im Gegensatz zu den nationalen fokussiert dieser europäische Preis die Lehrperson als Ganzes: Er bezieht sich also nicht auf eine einzelne Leistung/Lehrveranstaltung, sondern das gesamte Lehrengagement einer Person, das möglichst innovativ, nachhaltig und zukunftsweisend sein soll. 

Is it worth it?
Lehrpreise sind mit unterschiedlichen Erwartungen vonseiten der Hochschulleitung, der Lehrenden und Studierende verbunden und können auch variable Konsequenzen nach sich ziehen. Nicht immer sind Kolleginnen und Kollegen den Ausgezeichneten wohlgesonnen und immer wieder ist der Auswahlprozess nicht transparent. Insgesamt ist zu hinterfragen, ob es mit Vergabe eines Lehrpreises gelingt, einen hochschulinternen Austausch über die Bedeutung guter Lehre anzuregen, nachhaltig und dauerhaft zur Weiterentwicklung der Lehre beizutragen und einen Kulturwandel in Gang zu setzen, an dessen Ende eine faktische Gleichbedeutung von Forschung und Lehre steht. Weitere Fragen, über die nachgedacht werden sollte, lauten: Werden strukturelle Herausforderungen wie etwa das Primat der Forschung durch eine Lehrpreisvergabe ausgeblendet? Kommen Rahmenbedingungen für Lehre aus dem Blick und nehmen sich Hochschulleitungen damit aus der Verantwortung? Vermitteln Lehr- und Innovationspreise das Bild, dass Bedingungen in der Lehre grundsätzlich defizitär sind und nur durch solche Förderungen die Realisierung innovativer Konzepte möglich ist? Sind Lehrpreise ein Indiz dafür, dass sich am Ungleichgewicht zwischen Forschung und Lehre noch nichts getan hat? Sollte gelingende Lehre an einer Hochschule nicht ebenso vorausgesetzt werden können wie Forschung auf Spitzenniveau? Oder können derartige Auszeichnungen gekoppelt mit weiteren Maßnahmen eine Kultur der Wertschätzung fördern und signalisieren, dass dem Rektorat qualitätsvolle Lehre genauso wichtig ist wie gute Forschungsleistungen?

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