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Drei Fliegen mit einer Klappe

Dienstag, 29.05.2018, #lehren

Wissenswertes zum Thema Lehrportfolio

„Ich hab nicht gewusst, dass man so über Lehre schreiben kann!“

Diese Äußerung einer Workshop-Teilnehmerin ist bezeichnend für den noch geringen Bekanntheitsgrad des aus dem angloamerikanischen Raum stammenden aber auch in Europa zunehmend Verbreitung findenden Formats „Lehrportfolio“ in Österreich.

In diesem Beitrag werde ich das Lehrportfolio kurz vorstellen, häufige Fragen beantworten, und erste Tipps zur Erstellung geben. Mehr Informationen und Unterstützung erhalten Sie in den seit Herbst 2017 durch das Zentrum für Lehrkompetenz regelmäßig angebotenen Workshops und im Rahmen von individuellen Beratungen zum Thema.

Lehre auf den Punkt gebracht – Lehre in Entwicklung: das Lehrportfolio als hochschuldidaktischer Tausendsassa

Vielleicht haben Sie sich beim Aktualisieren des eigenen Lebenslaufs auch schon einmal gefragt, ob es nicht eine Alternative zum Verzeichnis der abgehaltenen Lehrveranstaltungen gibt. Schließlich lässt sich an Letzterem zwar quantitativ Ihre Lehrerfahrung ablesen, die Qualität Ihrer Lehre bleibt hingegen weitgehend im Verborgenen.

Ja, es gibt eine Alternative: Ihr Lehrportfolio!

Ein üblicherweise mehrseitiges Lehrportfolio gibt strukturiert Auskunft über den Kontext Ihrer Lehrtätigkeit, Ihre Lehrphilosophie, Lehransatz und -methoden, Feedback zu Ihrer Lehre sowie Ihr Engagement im Bereich der Lehre. Es umfasst meist einen Textteil und einen diesen ergänzenden Anhang. Immer häufiger wird ein Lehrportfolio als Bewerbungsunterlage erwartet, denn Berufungs- und Auswahlkommissionen haben längst erkannt, dass dieses Format eine umfassendere Darstellung der Lehrkompetenz ermöglicht als eine Auflistung. Durch Ihr Lehrportfolio wird Ihre Lehrtätigkeit als integraler Bestandteil Ihrer akademischen Vita sichtbar.

Doch damit nicht genug: Das Lehrportfolio kann mehr als „nur“ präsentieren!

Gerne verwende ich den von Ulrike Scheuermann (2009 & 2012) geprägten Begriff des „Schreibdenkens“, um das reflexive Potential des Lehrportfolios zu umschreiben. Denn durch den Schreibprozess wird das dem eigenen Lehrhandeln zugrundeliegende Lehr-/Lernverständnis oft erst greifbar. Die schreibende Auseinandersetzung mit der Lehre macht z.B. auch immer wiederkehrende Problemstellungen klarer und bearbeitbar. Die Arbeit am Lehrportfolio wird so zum Ausgangspunkt für die gezielte Weiterentwicklung der eigenen Lehrkompetenz, für das Entwickeln neuer Konzepte und Ideen und deren Umsetzung. Schließlich ist das Lehrportfolio ein erster Schritt in Richtung der wissenschaftlichen Beforschung von Lehrpraktiken und Lernaktivitäten im universitären Kontext, besser bekannt als Scholarship of Teaching and Learning (SoTL). Der Austausch über das Lehrportfolio und dessen Inhalte mit anderen Lehrenden gibt daneben die Möglichkeit, über den fachspezifischen Tellerrand zu blicken und sich von Kollegen und Kolleginnen inspirieren zu lassen.

Rund ums Lehrportfolio: Frequently Asked Questions

Häufig begegnen mir in Workshops und Beratungen Unsicherheiten bezüglich des Umfangs des Lehrportfolios. Hierbei gibt es sowohl fächer- und kulturkreisbezogene als auch individuelle Unterschiede – es gibt fünfseitige Lehrportfolios ebenso wie dreißigseitige. Im angloamerikanischen Raum sind Teaching Portfolios tendenziell etwas kürzer als in Europa. In Geistes- und Sozialwissenschaften wird häufig ein umfangreicherer Text angefertigt als in Natur- und Lebenswissenschaften. Aber schließlich hängt es immer vom Verfasser oder der Verfasserin ab, wie umfangreich das Lehrportfolio im Idealfall ist. In jedem Fall sollte das Lehrportfolio ein mehrseitiges Dokument sein, das meist in Kombination aus einigen Seiten Fließtext und Anhang die eigene Lehrtätigkeit darstellt. Beispiele aus verschiedensten Fächern finden sich zahlreich frei verfügbar im Netz, für angloamerikanische Portfolios finden sich Beispiele auch in der Publikation The teaching portfolio : a practical guide to improved performance and promotion/tenure decisions von Peter Seldin, Elizabeth Miller und Clement Seldin, die in der UB Graz elektronisch verfügbar ist.

Öfter begegnet mir auch die Frage danach, ob denn z.B. im Zuge von Bewerbungsverfahren überhaupt jemand ein längeres Lehrportfolio lesen will bzw. was an Informationen hier überhaupt preisgegeben werden soll. Diese Bedenken kann ich durchaus verstehen, denn schließlich gibt Ihr Lehrportfolio Auskunft über Sie als Lehrperson, zu Ihren die Lehre betreffenden Überlegungen und damit auch über persönliche Aspekte, die Sie nicht jedem mitteilen möchten. Gerne gebe ich an dieser Stelle den Rat, jeweils in Abhängigkeit vom anvisierten LeserInnenkreis abzuwägen, welche Information Sie für nötig und wichtig erachten, um Ihre Lehre bestmöglich darzustellen, diese auszuwählen und persönlichere Aspekte, die Sie in diesem Kontext nicht (mit-)teilen möchten, entsprechend zu verkürzen oder auszublenden. Es ist durchaus möglich, aus einem einmal angelegten ganz persönlichen „Schubladenportfolio“ mit geringem Aufwand für verschiedene Kontexte unterschiedlich profilierte „Präsentationsportfolios“ zu generieren. Selbstverständlich können Sie auch das „Schubladenportfolio“ immer wieder aktualisieren und neu gewonnene Erfahrungen integrieren. Viele Lehrende profitieren längerfristig und nutzen das Instrument Lehrportfolio zur Dokumentation und Weiterentwicklung ihrer Lehrtätigkeit.

Ran an die Tasten: Tipps für den Lehrportfolio-Start

Zu Beginn der Lehrportfolioarbeit steht ein Prozess des Sammelns und Strukturierens, an den sich das Schreiben anschließt.

Zum Sammeln von inhaltlichen Elementen kann ein individuelles oder mit Kollegen und Kolleginnen durchgeführtes Brainstorming zum Thema „Meine Lehrtätigkeit“ hilfreich sein.

Nach einer Grobgliederung der so gesammelten Punkte, kann die Rohfassung des Lehrportfolios durch Schreibsprints recht zügig erstellt werden. Für einen Schreibsprint nimmt man sich einen bestimmten (Unter-)Punkt auf der Gliederung vor und schreibt für einige Minuten zu diesem Punkt, ohne sich hierbei selbst zu korrigieren oder zu zensieren. Nach Abschluss eines Schreibsprints wird der vorliegende Text gelesen und Kommentare zu noch zu ergänzenden Aspekten gesetzt. Dann geht es weiter mit dem nächsten Sprint und erst nach Abschluss eines Gliederungspunkts geht es an die Überarbeitung.

Mehr zum Thema

Informationen des Zentrums für Lehrkompetenz zum Thema finden Sie hier.

Zu den aktuellen Workshop-Angeboten des Zentrums für Lehrkompetenz können Sie sich hier anmelden. Beratungstermine können Sie per E-Mail oder telefonisch (Durchwahl 1214)vereinbaren.

Vertiefende Informationen zum Thema Lehrportfolio erhalten Sie auch im Podcast des von Frau Dr.in Birgit Szczyrba am 15.03.2017 im Rahmen von „High Noon – Didaktik zu Mittag“ gehaltenen Vortrag: Lehrportfolios für das Ergründen, Entwickeln, Verändern der Hochschullehre.

Literatur:

Bräuer, Gerd. ²2016.  Das Portfolio als Reflexionsmedium für Lehrende und Studierende. Opladen & Toronto: Barbara Budrich.

Scheuermann, Ulrike. 2009. Wer reden kann, macht Eindruck – wer schreiben kann, macht Karriere. Das Schreibfitnessprogramm für mehr Erfolg im Job. Wien: Linde.

Scheuermann, Ulrike. 2012. Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. Opladen & Toronto: Barbara Budrich.

 

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