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Gut beraten? Gut beraten!

#lehren

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Wann und von wem haben Sie sich in Ihrem Studium einmal so richtig gut beraten gefühlt? Und was war an dieser Beratung so gut?

Wohl jede und jeder von uns verbindet mit der eigenen Studienzeit nicht nur Erinnerungen an Lernen im Hörsaal, Labor oder Seminarraum, sondern hat auch – positive und weniger positive – Erfahrungen als Ratsuchende/r im universitären Kontext.

Als Lehrende an der Universität kommt uns neben vielen anderen lehrebezogenen Aufgaben auch die Aufgabe zu, Studierende zu beraten. Aber wie geht das? Was ist Beratung eigentlich, welche Beratungssettings gibt es und für welche Anliegen sind wir in Ihrer Beratungstätigkeit zuständig? Wie können wir unsere Beratungskompetenz steigern und was fällt eigentlich darunter? Und was haben wir als Lehrende/r davon, wenn wir unsere Studierenden gut beraten?

Diesen Fragen möchte ich in diesem Beitrag zumindest zum Teil nachgehen und Sie auf weiterführende Informationen und Weiterbildungsmöglichkeiten hinweisen.

Beratung: MIT- UND DURCHDENKEN

„Gelingt Beratung“ – schreibt Marita Kemper für den Lehreladen der Ruhr-Universität Bochum – „stärken die Gespräche die Eigenständigkeit und Selbständigkeit beim Lernen und wissenschaftlichen Arbeiten, bei der Planung des Studiums, Bewältigung anstehender Entscheidungen und Studien-/Prüfungsaufgaben und bei der Einschätzung von eigenen Leistungen.“

Verschiedene Faktoren können dazu beitragen, dass die Beratungsaufgaben von Lehrenden kompetenzorientiert und studierendenzentriert erfüllt werden kann.

Das Beratungsangebot von Lehrenden sollte eng mit den anderen Lehraufgaben verzahnt sein und im Gesamtpaket Lehrveranstaltung mitgedacht werden. So sollten z.B. die angebotenen Beratungssettings (Offene Sprechstunde oder Sprechstunde mit Terminvereinbarung, Beratung vor oder nach der Lehrveranstaltung, Beratung am Telefon oder per E-Mail, Beratung über Lernplattformen) festgelegt und kommuniziert werden. Haben Sie sich darüber Gedanken gemacht, welche Beratungssettings in Frage kommen, aber auch welche Erwartungen Sie an die Studierenden in diesem Kontext haben, sollten diese Rahmenbedingungen den Studierenden auch klar kommuniziert werden. Verlässlichkeit der Angaben von beiden Seiten ist hier wichtig, um von vornherein einen verbindlichen Rahmen für alle Beteiligten zu schaffen.

Daneben ist es empfehlenswert, sich über übliche, teils auch fachkulturspezifische Formen der Beratung Gedanken zu machen und das eigene Beratungsangebot klar ein- und abzugrenzen. Hilfreich kann es hierbei sein, Informationen zu anderen Beratungsangeboten für Studierende einzuholen, um entsprechend weiterverweisen zu können, wenn die Beratungsanliegen nicht in den eigenen Kompetenzbereich fallen. Einen Überblick über entsprechende Angebote der Universität Graz finden Sie hier.

Die BeraterInnenrolle umfasst den Charakter eines/r fachlichen Experten/in ebenso wie diejenige eines prozesskompetenten und in Gesprächsführung geschulten Begleiters/Begleiterin von individuellen Lernprozessen. Im Kontext von Beratung geht es neben inhaltlichen Aspekten auch um den Aufbau und die Gestaltung einer tragfähigen und fruchtbaren Beratungsbeziehung – häufig ist die Sprechstunde die einzige Gelegenheit für Studierende, individuelle Anliegen mit Ihrem Professor oder Ihrer Professorin zu besprechen. Lehrende und Studierende sollten diese möglichst gut mit dem gemeinsamen Ziel des Lernerfolgs der Studierenden nützen und entsprechend (rollen-)transparent gestalten.

Hilfreich können hierbei die Orientierung an einem Phasenmodell für Beratungsgespräche und das Hinzuziehen prozessunterstützender Hilfsmittel sowie der Einsatz von Gesprächsführungstechniken sein.

Abschließend möchte ich gerne auf die Frage zurückkommen, was wir als Lehrende von studierendenzentrierter Beratung haben: Im Idealfall verlagert sich die Aktivität nicht nur im Beratungssetting sukzessive vom Lehrenden zu den Studierenden, sondern auch in der Lehrveranstaltung wird der shift from teaching to learning stärker spürbar. Die Studierenden erleben, dass sie und ihre Ideen ernstgenommen werden und können Kompetenzen in Anwendung erwerben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich lohnt und Ihre Studierenden Sie überraschen werden!

Zum Weiterdenken:
Am 26. Februar von 13:00 bis 16:00 bietet das Zentrum für Lehrkompetenz einen Kurzworkshop zum Thema Gut beraten! Studierendenzentrierte Gestaltung von Beratungsgesprächen an. Vor dem Hintergrund meiner eigenen langjährigen universitären Lehrtätigkeit und meiner Qualifikation als systemischer Coach möchte ich Ihnen durch Austausch und praxisbezogene Tipps die Weiterentwicklung Ihrer Beratungskompetenz erleichtern. Die Anmeldung ist für Bedienstete der Universität Graz kostenlos hier möglich.

Zum Weiterlesen:
Hilfreiche Tipps zu Organisation und Gestaltung des Rahmens von Beratung aber auch zur Kommunikation und zur Phasengestaltung im Beratungsgespräch selbst finden Sie z.B. in den Beiträgen von Marita Kemper, Klaus Hellermann & Peter Röhrig unter https://dbs-lin.ruhr-uni-bochum.de/lehreladen/planung-durchfuehrung-kompetenzorientierter-lehre/beratung/

Die Einbettung von Beratungskompetenz in das Lehrkompetenzmodell für den Steirischen Hochschulraum lässt sich hier nachvollziehen: http://www.steirischerhochschulraum.at/wp-content/uploads/2015/11/broschuere_lls_druck.pdf

Hilfreiche Tipps und eine Vorlage für einen strukturierten Notizblock für Beratung in Sprechstunden finden sich auf den Seiten des Zentrums für Lehrentwicklung der TH Köln:  https://www.th-koeln.de/hochschule/sprechstunden_47721.php

Hinweise zur Gestaltung verschiedener Beratungssituationen und eine Toolbox zur Gesprächsführung in Beratungssituationen finden sich in:

Thomann, Geri & Anja Pawelleck. 2013. Studierende beraten. Opladen/Toronto: Verlag Barbara Budrich. Der Titel ist an der UB Graz als E-Book verfügbar.

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