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Lehren und Lernen beforschen

Montag, 12.02.2018, #lehren

Lehrpraktiken und Lernaktivitäten werden auch außerhalb der Bildungswissenschaften erforscht – im Scholarship of Teaching and Learning

Eine Beschreibung von typischen Lehrformen und Lernprozessen an der Universität Graz im Jahr 1978 würde sich deutlich von einer heutigen Charakterisierung des studienbezogenen Geschehens unterscheiden. Viel hat sich in den vergangenen 40 Jahren getan: Es gibt markant mehr und sozio-ökonomisch diversere Studierende, die eine größere Bandbreite an Studien inskribieren und sich mit deutlich mehr (internationalen) Lehrenden austauschen können. Aufgrund von bildungswissenschaftlichen Studien und Theorien hat sich das Verständnis von Lernprozessen verändert, so wie Wissen(schaft)ssoziologie und Hochschulforschung ebenfalls zur Perspektivenerweiterung auf die Institution Universität beigetragen haben. (Digitale) Technologien, die 1978 noch unbekannt waren, stellen heute vielfach eine Selbstverständlichkeit im universitären Alltag dar.

Komplexität erfordert Beforschung
Dass in den vergangenen 40 Jahren die Komplexität nicht nur des gesellschaftlichen Zusammenlebens, sondern auch des Studierens und Lehrens zugenommen hat, steht außer Zweifel. Doch es lohnt sich, genau diese Komplexität näher zu betrachten und zu erforschen, und zwar innerhalb der eigenen Hochschule und Disziplin durch die Angehörigen eines Faches selbst. Das Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) beschreibt genau eine solche wissenschaftliche Befassung von Hochschullehrenden mit dem Lernen ihrer Studierenden bzw. den eigenen Lehrpraktiken. Analog zur wissenschaftlichen Forschung stellen Beobachtungen, Irritationen und Probleme im Lehralltag den Ausgangspunkt dar. In der Folge werden Forschungsfragen, Problemdefinitionen und Hypothesen formuliert, denen mittels forschender Praxis (Recherche, Systematisierung, empirischer Erhebung, Diskussion und Publikation) von den Lehrenden selbst auf den Grund gegangen wird.

Wurzeln und Früchte
Ausgang nahm das SoTL in den USA, wo Anfang der 1990er über das Scholarship of Teaching als Maßnahme zur Professionalisierung der Hochschullehre diskutiert wurde. Schnell wurde der Strom der Diskussionen und Bemühungen breiter und internationaler; es folgten Förderprogramme, Zeitschriften, Konferenzen und die Gründung der International Society for the Scholarship of Teaching & Learning (ISSOTL). Hierzulande ist das SoTL den wenigsten bekannt, weshalb umso wichtiger ist, sich einerseits mit den damit verbundenen Erwartungen und andererseits mit den institutionellen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen. Auf der einen Seite regt eine wissenschaftliche Betrachtung des alltäglichen Lehrgeschehens nicht nur die Reflexion und Überarbeitung der eigenen Annahmen und Praktiken an, sondern führt durch den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen am Institut, an der Fakultät, an der Universität und in der Scientific Community zu einem für den eigenen Lehralltag hilfreichen Erfahrungsaustausch, zu öffentlichen Diskussionen, neuen Erkenntnissen, Handlungserleichterungen und neuen Ideen für die Lehre. Dem Mehrwert können auf der anderen Seite jedoch auch kritische Fragen entgegengestellt werden: Was soll Hochschullehrende daran reizen, derartige Scholars zu werden? Wie sollen Lehrende, die mit derartigen Paradigmen und Methoden nicht vertraut sind, eine solche Forschung betreiben können? Woher sollen sie die Ressourcen dafür nehmen? Selbst wenn im Moment noch keine expliziten Rahmenbedingungen an der Universität Graz geschaffen sind, die das SoTL fördern, so können sich interessierte Lehrende doch an das Zentrum für Lehrkompetenz, an die Lehr- und Studienservices sowie an das Methodenkompetenzzentrum wenden, um bei SoTL-Vorhaben unterstützt zu werden.

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