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Quer denken lohnt sich!

Freitag, 04.05.2018, #lehren

Gedanken zur 47. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik

Es war kalt, genauer gesagt sehr kalt, als ich am 28. Februar 2018 in Karlsruhe ankam. Dieser Umstand vermochte aber nicht, meine Vorfreude auf die 47. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik, die ich in den folgenden drei Tagen besuchen sollte, zu trüben. Schließlich erwartete mich und die mehr als 500 TeilnehmerInnen am Karlsruher Institut für Technologie unter dem Rahmenthema Hochschuldidaktik als professionelle Verbindung von Forschung, Politik und Praxis ein breitgefächertes Programm. Ich hatte die Qual der Wahl aus 145 Seiten Programmheft und was ich hier berichte, ist nur ein kleines Mosaiksteinchen der gesamten Tagung und notwendigerweise subjektiv. Einen zentralen Gedanken habe ich aus den besuchten Keynotes, Workshops, Diskurswerkstätten und Impulsforen zu sehr unterschiedlichen Themen mitgenommen: Hochschuldidaktik quer beziehungsweise vernetzt denken lohnt sich und dies aus mehreren Gründen. Nicht zuletzt deshalb haben sich für mich die einzelnen Beiträge sehr stimmig unter dem Tagungsthema zusammengefügt.

Annäherungen und Abgrenzungen

Ein vielleicht banal erscheinender Aspekt ist die Vielschichtigkeit der Verbindungen zwischen Forschung und (Lehr-)Praxis im Feld der Hochschuldidaktik. Eine dieser Verbindungen ist in der Forschung zur Wirksamkeit von hochschuldidaktischen Weiterbildungsformaten, die in mehreren Formaten thematisiert wurde, greifbar. Im Scholarship of Teaching and Learning, das unter anderem in der Keynote von Carolin Kreber Werte und ihre Bedeutung in der Lehre und in der Forschung zentral thematisiert wurde, ist die Verbindung anders gelagert, da hier die Lehrpraxis von den Lehrenden selbst beforscht wird. Hier, wie auch in der Keynote von Torgny Roxå The Strength of Weak Ties in Educational Development wurde deutlich, dass der Transfer von insbesondere schriftgebundenen Forschungspraktiken auf den Bereich der Lehre und in hochschuldidaktische Weiterbildung durchaus Früchte zu tragen vermag. Im Streitgespräch zwischen Gabi Reinmann und Manfred Prenzel zum im April 2017 erschienenen Positionspapier des Deutschen Wissenschaftsrats Strategien für die Hochschullehre schließlich wurde diskutiert, welche Auswirkungen eine Orientierung der die universitäre Lehre betreffenden Hochschulpolitik an Strukturen und insbesondere Wettbewerbsmechanismen, die etwa die universitäre Forschung bereits prägen, haben kann. Welche Annäherungen zwischen Forschung und Lehre sind hier möglich, welche Abgrenzungen aber auch nötig? Gabi Reinmann hat ihre diesbezüglichen Überlegungen hier zusammengefasst.

Alte Bekannte und neue Abenteuer
In Deutschland gibt es insbesondere durch den Qualitätspakt Lehre mittlerweile ein dichtes Netz an hochschuldidaktischen Einrichtungen, die verschiedene Weiterbildungsprogramme und Zertifikate anbieten und es besteht Grund zur Hoffnung, dass die Politik diese und andere Maßnahmen zur Stärkung der Lehre weiter fördern wird. Vielerorts stellt sich nun – auch im Zuge von Evaluierungen und Begleitforschung – die Frage nach notwendigen und möglichen Ergänzungen und Neuorientierungen der bestehenden Angebote. Als hierfür zentralen Aspekt habe ich aus verschiedenen Tagungsbeiträgen Folgendes mitgenommen: Hochschuldidaktische Angebote sollten passgenauer auf bestimmte Zielgruppen, aber auch individualisierter auf Einzelpersonen ausgerichtet werden und der etablierte Kanon von Weiterbildungsinhalten und -formaten durch innovative, bedarfsorientierte und fachliche Spezifika berücksichtigende Angebote ergänzt werden. Ein weiteres verschiedene Beiträge verbindendes Element war, dass sie die Stärkung von lehrebezogenem kollegialem Austausch über Fächer- und Institutsgrenzen hinweg und damit die Ausbildung neuer diskursiver Netzwerke in den Blick nahmen – und dies auf allen Ebenen von ProfessorInnen bis hin zu TutorInnen.  

Mehr als eine Liaison
Die enge aber nicht immer konfliktfreie Verbindung zwischen Hochschulpolitik und Hochschuldidaktik in Deutschland offenbarte sich am deutlichsten im bereits erwähnten Streitgespräch. Aber auch in der Keynote von Tobias Scheytt Steuerung von Qualität und Qualität der Steuerung: Zum Verhältnis von Hochschuldidaktik und Hochschulsteuerung aus organisationstheoretischer Perspektive wurden für diese Verbindung bedeutsame Aspekte beleuchtet, die sicherlich auch für österreichische Universitäten relevant sind. Der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen aus verschiedenen deutschen Hochschuldidaktikzentren schließlich gewährte mir Einblick in Perspektiven bezüglich der Fortführung laufender Projekte über die zweite Förderperiode des Qualitätspakts Lehre hinaus. Es bleibt zu wünschen, dass die aktuellen und zukünftigen Diskussionen zwischen StellvertreterInnen von Forschung, Praxis und Politik dazu beitragen, die Verbindung zwischen Hochschuldidaktik und Hochschulpolitik so zu gestalten, dass Handlungsmöglichkeiten und Gestaltungsspielräume für Lehrende und Studierende bestmöglich genützt werden können. Der Einblick in die Erfahrungen, die an deutschen Universitäten in diesem Zusammenhang bereits gesammelt werden konnten, ist auch für die Hochschuldidaktik an – zweifelsohne signifikant andere Rahmenbedingungen aufweisenden – österreichischen Universitäten und die hiesige Hochschulpolitik wertvoll. 

Die Keynotes und das Streitgespräch zwischen Gabi Reinmann und Manfred Prenzel sind unter https://indico.scc.kit.edu/indico/event/335/page/13 abrufbar.

Die nächste dghd-Jahrestagung zum Thema „(Re-)Generation Hochschullehre“ findet vom 5. bis 8. März 2019 in Leipzig statt. Wir sind gespannt!

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