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Studentische Arbeiten betreuen – Warum Studierende sich beim Schreiben schwertun

Mittwoch, 24.01.2018, #lehren

Mit welchen Schwierigkeiten haben Studierende beim Verfassen ihrer Arbeiten zu kämpfen und wie können Betreuende ihnen dabei helfen, diese zu bewältigen?

Das Verfassen von Arbeiten bringt viele Studierende sehr in Verlegenheit: Weder wissen sie, worauf es bei wissenschaftlichen Texten genau ankommt, noch haben sie eine Ahnung, wie sie beim Schreiben ihrer Arbeiten vorgehen sollen. Das kann verunsichern, Unzulänglichkeitsgefühle wecken und im schlimmsten Fall zu Vermeidungsverhalten führen. Dass Studierende beim Verfassen ihrer Arbeiten Schwierigkeiten haben, ist jedoch der Normalfall. Einen wissenschaftlichen Text zu Papier zu bringen, ist eine komplexe Aufgabe, der Studierende aufgrund ihrer schulischen Vorbildung kaum gewachsen sein können. Denn das jahrelange Einüben von Erörterungen reicht auch im Verein mit einer vorwissenschaftlichen Arbeit bei weitem nicht aus, um das wissenschaftliche Schreiben zu erlernen.

Ein langer Lern- und Übungsprozess

Man weiß aus der Schreibforschung, dass die Fähigkeit, wissenschaftliche Texte zu verfassen, Resultat eines lange Jahre währenden Lern- und Übungsprozesses ist. Dieser Lernprozesses lässt sich grob in drei Phasen unterteilen: die Phase der Gegenstandsfixierung, die der Diskursbezogenheit und die der Argumentationsbezogenheit. In der Phase der Gegenstandsfixierung konzentrieren sich Studierende ganz und gar auf das Phänomen, über das sie schreiben sollen. Es ist ihnen noch nicht klar, dass es sich bei wissenschaftlichem Wissen um ein diskursiv generiertes Wissen handelt, das nicht unabhängig von Forschungsdiskursen existiert. In diesem Stadium haben Studierende die Tendenz, Wikipedia-Artikel als Quellen zu verwenden und sich auf zufällig im Bibliotheksregal gefundene Monographien zu stützen. Auf das Zitieren können sie dabei auch schon einmal vergessen, denn es erscheint ihnen ja der Gegenstand an sich als das Allerwichtigste. In dieser Phase hilft es Studierenden, wenn man mit ihnen über den Sinn und das Ziel wissenschaftlichen Schreibens (zu einer Forschungsdiskussion beitragen, Erkenntnis generieren) spricht. Auch Unterstützung beim Finden einer angemessenen Forschungsfrage ist in diesem Stadium besonders wichtig. Eine Forschungsfrage sensibilisiert dafür, dass es im Kern um eine Auseinandersetzung mit Einsichten zu einem Forschungsgegenstand geht.

Von der Diskursbezogenheit und „Plagiierangst“ zur Argumentationsbezogenheit

Die zweite Phase der Diskursbezogenheit setzt ein, wenn Studierenden klar wird, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in Form einer oft unüberschaubaren Anzahl von Fachbeiträgen vorliegen. Die Studierenden haben dann große Angst, dass sie Literatur übersehen oder sie nicht genau genug wiedergeben könnten. Gerne stellt sich in diesem Stadium auch „Plagiierangst“ ein – die Angst, wegen zu großer Formulierungsnähe zu den referierten Quellen des Plagiats bezichtigt zu werden oder gar durch die Plagiatssoftware-Prüfung zu fallen. In dieser Phase ist es besonders wichtig, Studierende zu einem selbständigen und analytischen Umgang mit den rezipierten Forschungsbeiträgen zu ermutigen und ihnen dabei zu helfen, sich als Forschungssubjekte begreifen zu lernen. Wenn Studierende diese Lernschritte erfolgreich bewältigt haben, erreichen sie – meist erst am Ende des Studiums – die Stufe der Argumentationsbezogenheit. In dieser Phase ist ihnen bewusst, dass sie sich in ihren Arbeiten mit Forschungspositionen auseinandersetzen und eine eigene Argumentation entwickeln sollen. An diesem Punkt liegt das Schwierigste hinter ihnen, und das Feintuning kann beginnen.

Was meinen Sie? Inwieweit stimmen die beschriebenen Lernphasen mit Ihren Beobachtungen überein? Wir freuen uns, wenn Sie einen Kommentar hinterlassen und Ihre Erfahrungen beim Begleiten studentischer Arbeiten teilen.

Mehr zur Entwicklung studentischen Schreibens: Thorsten Pohl: Studien zur Ontogenese wissenschaftlichen Schreibens. Tübingen: Niemeyer 2007. (= Germanistische Linguistik. 271.)

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